Der Google Keyword Planner zeigt dir Suchvolumen, Keyword-Ideen und geschätzte Gebote direkt aus Google-Daten. Für SEO ist er ein guter Ideengeber, aber kein Steuerungsinstrument, denn er wurde für die Planung von Werbekampagnen gebaut. Wer seine Zahlen ungeprüft in einen Redaktionsplan übernimmt, plant deshalb oft an der tatsächlichen Suche vorbei.
Nach diesem Text kannst du den Planner einrichten, Keyword-Ideen finden, die Spalten richtig lesen und einschätzen, wo seine Grenzen für SEO liegen.
Zugang: kostenlos, aber mit Google-Ads-Konto
Der Keyword Planner ist Teil von Google Ads und heißt in der deutschen Oberfläche Keyword-Planer. Du findest ihn im Konto im Tools-Menü unter Planung. Google verlangt, dass die Kontoeinrichtung einschließlich der Zahlungsinformationen abgeschlossen ist, bevor du Funktionen wie neue Keyword-Ideen nutzen kannst. So steht es in der Google-Ads-Hilfe zum Keyword Planner.
Eine laufende Kampagne brauchst du nicht. Bei der Einrichtung eines neuen Kontos kannst du in den Expertenmodus wechseln und das Konto ohne Kampagne anlegen. Dann entstehen keine Kosten, und du kommst trotzdem an die Planungswerkzeuge.
Eine Einschränkung solltest du kennen: Viele Konten sehen beim Suchvolumen keine genaue Zahl, sondern nur Spannen wie 100 bis 1.000 oder 1.000 bis 10.000. Google dokumentiert nicht offiziell, wann genaue Werte erscheinen. In der Praxis betrifft es vor allem Konten ohne oder mit geringen Werbeausgaben. Für eine grobe Einordnung reichen Spannen, für eine Priorisierung zwischen ähnlichen Begriffen meist nicht.
Die zwei Funktionen
Der Planner bietet zwei Einstiege, die sich für SEO unterschiedlich gut eignen.
Neue Keywords entdecken. Du gibst Begriffe ein, die dein Angebot oder dein Thema beschreiben, oder eine Website. Google schlägt daraufhin verwandte Keywords vor. Beim Start mit einer Website sucht Google nach Begriffen, die zum Inhalt dieser Seite passen. Das funktioniert auch mit der Seite eines Wettbewerbers.
Suchvolumen und Prognosen abrufen. Du fügst eine vorhandene Liste ein oder lädst sie als CSV hoch und bekommst Kennzahlen für genau diese Begriffe. Das ist nützlich, wenn du bereits Ideen gesammelt hast und nur Größenordnungen brauchst.
Für die Keyword-Recherche im SEO-Kontext ist der erste Einstieg meist der ergiebigere, der zweite ein schneller Plausibilitätscheck.
Was die Zahlen bedeuten
Die Spalten im Planner sehen neutral aus, stammen aber aus der Anzeigenwelt. So liest du sie richtig.
Durchschnittliche monatliche Suchanfragen. Das Suchvolumen ist standardmäßig ein Durchschnitt über zwölf Monate. Google zählt dabei das Keyword und seine engen Varianten zusammen, etwa Singular und Plural, und rundet die Werte. Ein saisonales Keyword mit einem starken Monat und elf schwachen sieht im Durchschnitt harmloser aus, als es ist. Sieh dir deshalb auch den Verlauf der Monate an.
Wettbewerb. Die Einstufung als niedrig, mittel oder hoch beschreibt, wie stark Werbetreibende um das Keyword konkurrieren. Sie sagt nichts darüber, wie schwer ein organisches Ranking ist. Dafür gibt es eigene Kennzahlen wie die Keyword Difficulty, die sich an den tatsächlichen Suchergebnissen orientieren.
Gebot für obere Seitenposition. Die Spanne zeigt, was Werbetreibende in der Vergangenheit für eine Anzeige oben auf der Seite gezahlt haben. Ein hoher Wert kann auf kaufnahe Suchen hinweisen. Er beweist aber nicht, dass organische Besucher genauso gut konvertieren.
Prognosen. Sie schätzen Klicks, Impressionen und Kosten für einen Anzeigenplan. Google aktualisiert sie täglich auf Basis der letzten sieben bis zehn Tage. Für SEO sind sie keine Traffic-Prognose.
Schritt für Schritt zu brauchbaren Keyword-Ideen
- Markt festlegen. Stelle Standort und Sprache passend zu deiner Zielgruppe ein, zum Beispiel Deutschland und Deutsch. Für Österreich oder die Schweiz lohnt sich ein eigener Lauf, weil sich Begriffe und Volumen unterscheiden.
- Mit Problemen statt Produktnamen starten. Gib drei bis fünf Begriffe ein, die beschreiben, was deine Zielgruppe erreichen oder lösen will. Mit reinen Produktnamen bekommst du vor allem Marken- und Kaufbegriffe.
- Eine Website als zweiten Einstieg nutzen. Gib die URL einer starken Seite zum Thema ein, gern auch von einem Wettbewerber. So findest du Begriffe, auf die du selbst nicht gekommen wärst.
- Ergebnisse eingrenzen. Nutze die Filter, um Markennamen auszuschließen und Begriffe mit bestimmten Wörtern einzuschließen. Die Gruppierung nach Themen hilft beim ersten Sortieren.
- Monatsverlauf prüfen. Blende die monatlichen Werte ein, bevor du saisonale Themen einplanst.
- Exportieren und dokumentieren. Exportiere die Liste als CSV und notiere Markt, Sprache und Datum. Ohne diese Angaben lässt sich ein Export nach ein paar Monaten kaum noch einordnen.
Ein Beispiel: vom Seed zur Shortlist
Ein Anbieter von Software für Zeiterfassung startet mit den Seeds „Arbeitszeit erfassen“, „Stundenzettel“ und „Überstunden berechnen“ und nutzt die Website eines bekannten Ratgeberportals als zweiten Einstieg. Der Planner liefert einige hundert Vorschläge. Nach dem Ausschluss fremder Marken und reiner Jobsuchen bleiben drei Gruppen übrig: Fragen zur Pflicht der Arbeitszeiterfassung, Vorlagen wie Stundenzettel als Excel oder PDF und Vergleiche von Zeiterfassungs-Apps.
Die Spannen sehen bei allen drei Gruppen ähnlich aus. Erst der Blick in die Suchergebnisse zeigt die Unterschiede. Bei den Pflichtfragen ranken Behörden, Kanzleien und Nachrichtenseiten, bei den Vorlagen Downloadseiten, bei den Vergleichen Testportale und Anbieter. Daraus folgen drei verschiedene Seitentypen: ein Ratgeber, eine Vorlagenseite und eine Vergleichsseite. Eine lange Liste einzelner Artikel wäre die schlechtere Antwort.
Welche Gruppe zuerst drankommt, entscheidet das Team nicht nach der größten Spanne. Entscheidend ist, wo das eigene Angebot Suchenden am meisten hilft und wo die aktuellen Ergebnisse erreichbar wirken.
Keyword Planner, Search Console und Google Trends
Die drei kostenlosen Google-Werkzeuge beantworten unterschiedliche Fragen. Die Search Console zeigt Suchanfragen, für die deine Seiten bereits erscheinen, mit echten Klicks und Impressionen, aber nur für deine eigene Website. Google Trends zeigt das relative Interesse im Zeitverlauf und eignet sich für Saisonalität und Vergleiche, liefert aber keine absoluten Zahlen. Der Keyword Planner schätzt absolute Suchvolumen, auch für Themen, zu denen du noch gar keine Sichtbarkeit hast.
Zusammen ergeben sie ein brauchbares Bild. Jedes Werkzeug allein hat blinde Flecken, und keins davon zeigt dir, wie schwer ein Ranking wird.
Die Grenzen für SEO
Der Planner ist ein guter Ideengeber. Für SEO-Entscheidungen fehlen ihm aber einige Dinge.
- Enge Varianten werden zusammengefasst. Wenn Singular und Plural in einem Wert stecken, siehst du nicht, dass Google für beide Varianten womöglich ganz unterschiedliche Ergebnisse zeigt.
- Seltene Suchanfragen fehlen. Keywords mit sehr geringem Suchvolumen sind laut Google nicht auffindbar. Gerade spezifische Long-Tail-Keywords mit klarer Absicht tauchen deshalb oft nicht auf.
- Fragen sind unterrepräsentiert. Wer wissen will, welche Fragen Suchende konkret stellen, findet mit dem People-Also-Ask-Tool oder mit Autocomplete-Daten meist mehr als im Planner.
- Die SERP fehlt. Der Planner zeigt nicht, welche Seiten aktuell ranken und welches Format Google bevorzugt. Ob ein Begriff eine Anleitung, einen Vergleich oder eine Produktseite verlangt, klärst du nur mit einer SERP-Analyse.
- Die Absicht ist nicht markiert. Der Planner unterscheidet nicht zwischen informativen, vergleichenden und kaufnahen Suchen. Die Suchintention musst du selbst bestimmen.
Planner-Daten richtig weiterverarbeiten
Ein Export mit einigen hundert Begriffen ist ein Rohstoff, kein Redaktionsplan. Bevor daraus Seiten werden, lohnt sich ein kurzer, fester Ablauf.
Entferne zuerst offensichtlich unpassende Begriffe, etwa fremde Marken oder Jobsuchen. Prüfe dann, welche Begriffe du mit bestehenden Seiten schon abdeckst. Die Search Console zeigt dir, für welche Suchanfragen deine Seiten bereits Impressionen bekommen. Fasse Begriffe, die dieselbe Frage beantworten, zu einem Content-Cluster zusammen, statt für jede Zeile eine eigene Seite zu planen. Erst für die übrig gebliebenen Kandidaten lohnt sich ein genauer Blick auf die Suchergebnisse.
In der Keyword-Datenbank von Crawl Foundry kannst du den Planner-Export kostenlos importieren, Duplikate bereinigen und Begriffe in Listen ordnen. Für die Shortlist forderst du dann frische Kennzahlen an: genaues Suchvolumen mit Monatsverlauf, Keyword Difficulty, CPC und Suchintention. Die Kosten dafür siehst du vor der Bestätigung. So bezahlst du nur für die Begriffe, die wirklich in die engere Wahl kommen, und die Spannen aus dem Planner werden zu konkreten Werten.
Wie du aus einer solchen Liste eine Entscheidung machst, beschreibt unser Artikel über Keyword-Recherche mit Kontext.
Wofür du den Google Keyword Planner nutzt und wann du mehr brauchst
Für einen ersten Überblick in einem neuen Thema ist der Keyword Planner ideal: Er ist kostenlos, liefert Google-nahe Formulierungen und zeigt Größenordnungen. Auch für die schnelle Prüfung, ob ein Begriff überhaupt gesucht wird, reicht er meist.
Für die Auswahl zwischen ähnlichen Begriffen, seltene Suchanfragen oder die Einschätzung der organischen Konkurrenz brauchst du dagegen genaue Werte statt Spannen, Daten zur Suchergebnisseite und einen Ort, an dem du Begriffe mit Quelle und Datum festhältst. Der Planner bleibt eine gute Quelle für Ideen, die Entscheidung triffst du mit mehr Kontext.
Prüfe als nächsten Schritt deine wichtigsten Begriffe im Planner und notiere zu jedem Begriff Quelle und Datum, damit du später nachvollziehen kannst, worauf deine Auswahl beruht.