Wer Broken Links prüfen will, sollte zuerst klären, was als defekt gilt. Ein Broken Link führt nicht mehr zuverlässig zu dem Inhalt, den Linktext und Kontext versprechen. Das kann ein interner Link auf eine gelöschte Seite sein, eine externe Quelle mit Fehlerstatus, eine Weiterleitungsschleife, ein Serverfehler oder ein Link, der technisch antwortet, aber am falschen Ziel endet.
Ein brauchbarer Audit fragt deshalb nicht nur „Welche URLs liefern 404?“. Er fragt auch: Wo steht der Link? Wie wichtig ist die Quellseite? Welches Ziel war gemeint? Ist der Inhalt dauerhaft entfernt, verschoben oder nur vorübergehend nicht erreichbar? Erst dann lässt sich zwischen Korrigieren, Weiterleiten, Ersetzen, Entfernen und Beobachten entscheiden. Nach der Lektüre kannst du jeden Fund so bewerten und die passende Korrektur wählen.
Was als Broken Link zählt
Der offensichtliche Fall ist ein Link auf eine URL mit 404 Not Found. In der Praxis gehören weitere Fehlerbilder dazu:
410 Gone, wenn ein Inhalt bewusst dauerhaft entfernt wurde500,502oder503, wenn das Ziel wegen eines Serverproblems nicht erreichbar ist- Weiterleitungsschleifen oder zu lange Weiterleitungsketten
- interne Links auf eine HTTP-Version, obwohl HTTPS das richtige Ziel ist
- Links auf eine Domain, die abgelaufen oder übernommen wurde
- Ankerlinks auf eine nicht mehr vorhandene Abschnitts-ID
- JavaScript-Interaktionen, die wie Links aussehen, aber kein crawlbares
hrefbesitzen - Soft-404-Seiten, die
200 OKliefern, obwohl kein sinnvoller Inhalt vorhanden ist
Ein Statuscode allein beschreibt also nur einen Teil des Problems. Auch ein technisch erfolgreicher Link kann Nutzer am falschen Ort absetzen.
Interne und externe Links getrennt bewerten
Bei internen Links kontrolliert das Team Quelle und Ziel. Ein Fehler kann Navigation, Crawling, interne Signale und den Weg zu einer wichtigen Handlung stören. Warum interne Links so viel Gewicht haben, erklärt das Glossar unter interne Verlinkung. Solche Links lassen sich meist direkt an der Quelle korrigieren.
Bei externen Links gehört das Ziel einer anderen Website. Ein Ausfall kann vorübergehend sein, die Quelle kann umgezogen oder der Inhalt ganz verschwunden sein. Hier bestehen andere Möglichkeiten: eine neue Primärquelle suchen, auf eine aktuelle Version verlinken, die Aussage anders belegen oder den Link entfernen.
Externe Links sollten nicht allein deshalb gelöscht werden, weil sie keinen direkten Rankingvorteil versprechen. Wenn eine Aussage eine Quelle braucht, ist die redaktionelle Frage wichtiger: Gibt es einen besseren und aktuelleren Beleg?
Statuscodes richtig lesen
Die häufigsten Antworten haben unterschiedliche Bedeutungen:
200 OK: Die Anfrage war erfolgreich. Das beweist noch nicht, dass Inhalt und Ziel stimmen.301 Moved Permanently: Das Ziel ist dauerhaft umgezogen. Interne Links sollten meist direkt auf die endgültige URL zeigen. Mehr zur 301-Weiterleitung im Glossar.302oder307: Vorübergehende Weiterleitung. Prüfe, ob der vorübergehende Zustand noch beabsichtigt ist.404 Not Found: Unter dieser URL wurde nichts gefunden. Das kann für bewusst entfernte Inhalte korrekt sein.410 Gone: Der Inhalt wurde absichtlich dauerhaft entfernt.429 Too Many Requests: Der prüfende Client wurde begrenzt. Ein einzelner Crawl kann hier einen falschen Alarm erzeugen.500,502,503: Server- oder Dienstfehler. Wiederhole den Test und prüfe Zeitpunkt sowie Häufigkeit.
Google behandelt 4xx-Antworten nicht als Inhalt für die Indexierung und entfernt bereits indexierte URLs mit der Zeit. Das bedeutet nicht, dass jede 404-URL „SEO-Schaden“ verursacht. Problematisch wird sie vor allem dann, wenn wichtige interne Links oder Sitemaps weiterhin dorthin führen oder Nutzer einen vorhandenen Ersatz erwarten dürfen. Wann welcher Statuscode richtig ist, beschreibt der Glossareintrag zu Redirects und Statuscodes.
Werkzeuge für den Broken-Link-Check
Für einen gründlichen Check brauchst du kein teures Spezialwerkzeug, aber die richtige Kombination. Diese Werkzeuge decken die wichtigsten Fälle ab:
- Google Search Console. Kostenlos. Der Bericht zur Seitenindexierung zeigt URLs, die Google mit 404 oder als Soft 404 gefunden hat. Das ist kein vollständiger Linkcheck, verrät aber, welche defekten Adressen Google selbst kennt.
- Screaming Frog SEO Spider. Ein Desktop-Crawler, der alle internen Links verfolgt und fehlerhafte Ziele samt Quellseite auflistet. Die kostenlose Version prüft bis zu 500 URLs, für größere Websites brauchst du die Lizenz.
- W3C Link Checker. Ein kostenloser Online-Dienst des W3C, der die Links einzelner Seiten prüft. Gut für Stichproben, für ganze Websites zu langsam.
- Browser-Erweiterungen. Erweiterungen wie Check My Links für Chrome markieren defekte Links auf der gerade geöffneten Seite. Praktisch beim Überarbeiten einzelner Artikel.
- Serverlogs. Sie zeigen, welche fehlerhaften URLs tatsächlich aufgerufen werden, auch von Besuchern über alte externe Links.
- Ein regelmäßiger Website-Crawl. Für laufende Kontrolle brauchst du einen Crawler, der die ganze Website in festen Abständen prüft und die Ergebnisse vergleichbar speichert. Wie das mit Crawl Foundry funktioniert, steht am Ende dieses Artikels.
Ein belastbarer Audit-Workflow
1. Mehr als eine Datenquelle verwenden
Ein Website-Crawl zeigt Links, die der Crawler über interne Pfade findet. Serverlogs zeigen tatsächliche Abrufe. Search Console kann Indexierungs- und Crawl-Hinweise liefern. Analytics oder Produktdaten zeigen, welche Wege Menschen nutzen. Keine einzelne Quelle enthält automatisch das ganze Bild.
Für eine erste Prüfung reichen meist:
- interner Crawl
- Abgleich mit der XML-Sitemap
- Kontrolle wichtiger Templates und Navigation
- Stichprobe in Browser und HTTP-Client
- Search-Console- und Serverdaten, soweit verfügbar
Ein Crawler kann wegen Rate Limits, Authentifizierung oder Bot-Schutz einen anderen Status sehen als ein normaler Besucher. Auffällige Ziele sollten deshalb erneut und mit dokumentiertem Zeitpunkt geprüft werden.
2. Quelle, Ziel und Kontext speichern
Eine Liste mit Ziel-URLs reicht nicht. Für jede Fundstelle sind mindestens nötig:
- Quell-URL
- Linktext, also der Ankertext
- Ziel-URL
- HTTP-Status und endgültiges Ziel
- interne oder externe Zuordnung
- Position oder Seitenelement
- Anzahl der Fundstellen
- Seitentyp und geschäftliche Bedeutung
Ein kaputter Footer-Link auf 5.000 Seiten hat eine andere Reichweite als ein einzelner veralteter Quellenlink in einem alten Artikel. Ein Link zur Preisseite hat eine andere Dringlichkeit als ein Link zu einem optionalen Hintergrundtext.
3. Die richtige Maßnahme wählen
Für interne Links gilt meist:
- falsche URL direkt an der Quelle korrigieren
- auf den passendsten bestehenden Inhalt verlinken
- eine Weiterleitung nur setzen, wenn ein echter Ersatz existiert
- einen absichtlich entfernten Link löschen, wenn kein Ersatz sinnvoll ist
- Weiterleitungsketten auf das endgültige Ziel verkürzen
Leite nicht jede unbekannte URL auf die Startseite um. Das enttäuscht die Erwartung des Nutzers und kann wie ein Soft 404 wirken. Eine 404 oder 410 ist korrekt, wenn der Inhalt dauerhaft entfernt wurde und kein gleichwertiger Ersatz vorhanden ist.
Bei externen Links kommen das Ersetzen der Quelle, der Wechsel auf eine offizielle Dokumentation, das Aktualisieren der Aussage oder das Entfernen eines nicht mehr belegbaren Absatzes hinzu.
4. Nach dem Fix erneut crawlen
Eine Änderung im CMS oder Repository beweist noch nicht, dass die öffentliche Seite richtig antwortet. Prüfe nach dem Release:
- die betroffene Quellseite
- das endgültige Linkziel
- Statuscode und Weiterleitungskette
- Canonical und Indexierbarkeit des Ersatzes
- Navigation sowie mobile Darstellung
- Sitemap, wenn sie betroffen war
Bei vielen Fundstellen lohnt sich zusätzlich ein gezielter Nach-Crawl des betroffenen Verzeichnisses. Nach einem Relaunch gehört der Linkcheck ohnehin fest in die Relaunch-Checkliste.
Priorisieren statt nur zählen
Die Zahl der Fehler ist selten die beste Reihenfolge. Ein praktisches Prioritätsmodell berücksichtigt:
- Reichweite: Wie viele Seiten oder Nutzerwege sind betroffen?
- Bedeutung: Führt der Link zu Kauf, Anmeldung, Dokumentation oder einem zentralen Themenhub?
- Kontrolle: Kann das Team Quelle und Ziel selbst ändern?
- Ersatz: Existiert ein eindeutiges, passendes Ziel?
- Risiko: Handelt es sich um einen Serverfehler, eine übernommene externe Domain oder nur einen veralteten Anker?
- Aufwand: Lässt sich die Ursache einmal im Template oder nur einzeln beheben?
Template-Fehler, defekte Hauptnavigation und wichtige interne Ziele gehören meist nach oben. Externe Quellen mit vorübergehendem Fehler können zunächst erneut geprüft werden. Wie sich Linkfehler in einen vollständigen SEO-Audit einordnen, beschreibt unser Leitfaden dazu.
Inhaltliche Prüfung gehört dazu
Ein Linkfehler kann ein Symptom für veralteten Inhalt sein. Wenn mehrere Quellen nicht mehr existieren, Produktnamen gewechselt haben oder eine Anleitung auf entfernte Oberflächen verweist, reicht das Ersetzen einzelner URLs möglicherweise nicht.
Dann braucht die Seite eine redaktionelle Prüfung: Ist die Aussage noch richtig? Gibt es einen aktuellen Primärbeleg? Erfüllt der Artikel noch dieselbe Suchaufgabe? Diese Entscheidung sollte aber aus dem Inhalt entstehen, nicht aus einem automatischen „Refresh“-Status.
Wie Crawl Foundry unterstützt
Der Site Audit von Crawl Foundry crawlt deine Website und zeigt Links auf Ziele mit Fehlerstatus, Weiterleitungsketten und leere Ankertexte als Befunde mit den betroffenen URLs. Die Ansicht der internen Links zeigt zu jedem Link, von welcher Seite er stammt, welchen Ankertext er trägt und an welcher Stelle der Seite er steht. So erkennst du schnell, ob viele defekte Links aus demselben Template stammen, etwa aus dem Footer, und korrigierst die Ursache einmal statt auf jeder Seite. Mit einer gespeicherten Ansicht für defekte Ziele prüfst du nach dem nächsten Crawl, ob die Fehler verschwunden sind. Wie Befunde, Page Explorer und interne Links zusammenspielen, zeigt die Dokumentation zu Problemen, Seiten und Links.
Ob eine 404 beabsichtigt ist oder welche Weiterleitung fachlich passt, entscheidet kein Werkzeug für dich. Dafür brauchst du den Kontext der Website und eine klare Verantwortung im Team.
So gehst du beim Prüfen und Beheben konkret vor
Broken Links prüfen heißt mehr, als 404-Fehler zu zählen. Speichere zu jedem Fund Quelle, Ziel, Ankertext und Kontext, bewerte interne und externe Links getrennt und priorisiere nach Reichweite und Bedeutung. Korrigiere interne Links an der Quelle, setze Weiterleitungen nur mit passendem Ziel und bestätige jede Korrektur mit einem erneuten Crawl.
Beginne mit einer einzelnen wichtigen Seite und erfasse für sie alle Links mit Quelle, Ziel, Ankertext und Kontext.