Ein SEO-Audit mit 800 Befunden sieht gründlich aus und ändert oft erstaunlich wenig. Die Zahl sagt nicht, welche Seiten für das Geschäft wichtig sind und welche Probleme wirklich Sichtbarkeit kosten. Ein guter Audit beantwortet deshalb drei Fragen: Was ist nachweislich falsch? Welche wichtigen Seiten und Suchanfragen sind betroffen? Und welche konkrete Maßnahme ist gerechtfertigt?
Nach dieser Anleitung kannst du einen SEO-Audit so aufbauen, dass er in wenigen, belegten Entscheidungen mündet: Du prüfst Technik, Inhalte, Backlinks und Sichtbarkeit getrennt, priorisierst nach Wirkung und legst für jede Maßnahme ein Abnahmekriterium fest. Am Ende steht eine kompakte Checkliste zum Abhaken.
Vorbereitung: mit einer Frage starten
„Wir machen mal einen SEO-Audit“ ist kein Auftrag. Eine gute Frage grenzt den Umfang ein und bestimmt, welche Daten du brauchst. Beispiele:
- Warum verlieren die Kategorieseiten seit drei Monaten Impressionen?
- Ist die Website nach dem Relaunch technisch sauber?
- Welche Ratgeber bringen keine Besucher und warum?
- Sind die neuen Sprachversionen korrekt eingebunden?
Halte vor dem Start außerdem fest, was genau untersucht wird: Domains und Subdomains, ein- und ausgeschlossene Verzeichnisse, der Vergleichszeitraum in der Search Console und bekannte Änderungen wie Releases oder Migrationen. Ohne diese Angaben lässt sich ein Befund später kaum noch einordnen.
Welche Werkzeuge du brauchst
Für einen soliden Audit reichen wenige Werkzeuge, wenn du sie gezielt einsetzt:
- Google Search Console für Indexierung, Suchanfragen, Klicks und Impressionen deiner eigenen Website.
- Einen Crawler, der alle erreichbaren URLs mit Statuscode, Metadaten, Canonical und interner Verlinkung erfasst.
- Webanalyse wie Google Analytics, um zu sehen, welche Seiten Anfragen oder Umsatz bringen.
- Ranking- und Keyword-Daten, um Nachfrage und Wettbewerb einzuschätzen.
- Eine Tabelle oder ein Ticketsystem, in dem jeder Befund mit Status und Verantwortung landet.
Wichtiger als die Zahl der Werkzeuge ist, dass alle Daten zum selben Zeitraum und zum selben Umfang gehören.
Ebene 1: Technik
Grundlage ist ein vollständiger Crawl der Website. Er zeigt, was Suchmaschinen beim Besuch vorfinden. Prüfe dabei vor allem:
- Statuscodes. Fehlerseiten mit 4xx und 5xx, besonders wenn intern auf sie verlinkt wird.
- Weiterleitungen. Ketten, Schleifen und interne Links, die erst über eine Weiterleitung ans Ziel führen.
- Indexierbarkeit. Seiten mit noindex oder Sperren in der robots.txt, die eigentlich ranken sollen.
- Canonicals. Fehlende Angaben und Canonicals, die auf andere oder nicht erreichbare Seiten zeigen. Grundlagen dazu im Glossar unter Canonical-Tag.
- Interne Verlinkung. Wichtige Seiten mit wenigen internen Links oder großer Klicktiefe.
- Sitemap. URLs in der Sitemap, die weiterleiten, fehlerhaft sind oder noindex tragen.
- Metadaten. Fehlende, doppelte, zu lange oder zu kurze Titel und Beschreibungen.
- Strukturierte Daten. Fehlerhaftes oder unvollständiges Markup auf Seitentypen, die Rich Results erzeugen sollen. Mehr dazu unter strukturierte Daten.
- Performance. Die Core Web Vitals aus echten Nutzerdaten, ergänzt um die Antwortzeiten aus dem Crawl.
- Rendering. Ob Hauptinhalte und Links im HTML stehen oder erst per JavaScript entstehen.
Werte nicht jeden Befund einzeln aus. Achte auf Muster: Wenn alle Produktseiten dasselbe Problem haben, steckt fast immer ein Template dahinter, und eine einzige Korrektur behebt hunderte Befunde.
Ergänzend zeigt der Bericht zur Seitenindexierung in der Search Console, welche Seiten Google tatsächlich aufnimmt. Wie du mit Seiten umgehst, die Google crawlt, aber nicht indexiert, erklärt unser Leitfaden zu „Gecrawlt - zurzeit nicht indexiert“.
Ebene 2: Inhalte
Technisch saubere Seiten ranken nicht automatisch. Die zweite Ebene prüft, ob die Inhalte das leisten, was Suchende erwarten.
- Dünne Inhalte. Seiten mit wenig eigenem Text, etwa Kategorien ohne Einleitung oder automatisch erzeugte Seiten. Mehr dazu unter Thin Content.
- Überschneidungen. Mehrere Seiten, die dieselbe Frage beantworten und sich gegenseitig Konkurrenz machen. Das Glossar erklärt, woran du Keyword-Kannibalisierung erkennst.
- Veraltete Inhalte. Ratgeber mit überholten Zahlen, Screenshots oder Empfehlungen.
- Passung zur Suchintention. Zeigt die Suchergebnisseite Anleitungen, während deine Seite ein Produkt verkauft, wird es schwer.
- Vertrauenssignale. Autorenangaben, Quellen, eigene Erfahrung und Aktualität, besonders bei Themen, bei denen Fehler teuer werden. Der Hintergrund steht unter E-E-A-T.
Für diese Ebene reicht kein Tool. Nimm dir pro Seitentyp eine Stichprobe und bewerte sie ehrlich. Ein strukturierter Content-Audit mit festen Kriterien hilft, die Bewertung für viele Seiten vergleichbar zu machen.
Ebene 3: Backlinks und Off-Page
Links von anderen Websites bleiben ein wichtiges Signal. Im Audit geht es dabei weniger um die reine Anzahl als um Veränderungen und Auffälligkeiten.
- Entwicklung der verweisenden Domains. Ein deutlicher Rückgang über Monate kann erklären, warum Rankings trotz sauberer Technik nachlassen.
- Verlorene Links auf wichtige Seiten. Zeigen externe Links auf URLs, die inzwischen 404 liefern, verschenkst du ihren Wert. Eine passende Weiterleitung holt ihn zurück.
- Meistverlinkte Seiten. Sie zeigen, welche Inhalte andere für zitierwürdig halten, und sind gute Ausgangspunkte für interne Links zu wichtigen Seiten.
- Ankertexte. Ein natürliches Linkprofil enthält vor allem Marken- und URL-Anker. Viele exakte Keyword-Anker können auf gekaufte Links hindeuten.
- Spam-Links realistisch einordnen. Google ignoriert die meisten minderwertigen Links von selbst. Eine Disavow-Datei ist laut Google vor allem dann sinnvoll, wenn es eine manuelle Maßnahme wegen unnatürlicher Links gibt oder droht.
Die Domain-Übersicht in Crawl Foundry zeigt Backlinks, verweisende Domains, Ankertexte, die meistverlinkten Seiten und den monatlichen Verlauf. Was die Kennzahlen bedeuten, erklärt die Dokumentation zu Backlinks und Wachstum.
Ebene 4: Sichtbarkeit und Nachfrage
Die vierte Ebene verbindet die Befunde mit echten Suchdaten. Hier zeigt sich, welche Probleme tatsächlich Besucher kosten.
- Seiten mit Verlusten. Vergleiche in der Search Console Klicks und Impressionen pro Seite mit einem früheren Zeitraum.
- Hohe Impressionen, wenige Klicks. Diese Seiten ranken, werden aber selten angeklickt. Oft liegt es am Titel oder an der Beschreibung.
- Fehlende Themen. Wichtige Suchanfragen, für die keine passende Seite existiert.
- Rankings. Wie sich die Positionen der wichtigsten Keywords entwickeln. Unser Artikel zum Rank Tracker zeigt, wie du sie verlässlich misst.
Lies diese Daten zusammen mit der Technik. Eine Seite, die technisch sauber ist und trotzdem Impressionen verliert, hat ein inhaltliches oder ein Wettbewerbsproblem. Eine Seite mit einem schweren technischen Befund, die gleichzeitig kaum gesucht wird, kann warten.
Befunde priorisieren
Eine reine Schweregrad-Liste führt selten zur richtigen Reihenfolge. Hilfreicher sind vier Arbeitsklassen:
- Sofort beheben. Klarer Fehler mit großer Wirkung und sicherer Lösung, etwa eine wichtige Seite auf noindex.
- Gezielt untersuchen. Relevantes Signal, aber die Ursache ist noch offen, etwa sinkende Impressionen ohne technischen Befund.
- Redaktionell bewerten. Die Technik funktioniert, aber Inhalt oder Rolle der Seite sind fraglich.
- Beobachten oder akzeptieren. Beabsichtigter Zustand oder eine Änderung mit geringem Nutzen.
Für die Reihenfolge innerhalb einer Klasse zählen zwei Dinge: wie wichtig die betroffenen Seiten sind und wie sicher der Befund belegt ist. Ein Template-Fehler auf allen Produktseiten schlägt eine Warnung auf drei Archivseiten. Mehr dazu in unserem Beitrag über das Priorisieren von Site-Audit-Befunden.
Ein Beispiel: Audit nach sinkenden Impressionen
Ein Onlinehändler für Gartenmöbel sieht in der Search Console, dass die Kategorieseiten seit drei Monaten weniger Impressionen bekommen. Die Frage des Audits lautet deshalb: Warum verlieren die Kategorieseiten Sichtbarkeit, und was lässt sich dagegen tun?
Der Crawl zeigt auf den ersten Blick viele Befunde, darunter fehlende Alt-Texte, lange Titel und einige defekte Links im Blog. Für die Frage relevant sind aber nur zwei Muster. Erstens verweisen die Filterseiten der Kategorien per Canonical auf sich selbst und stehen in der Sitemap. Dadurch konkurrieren hunderte fast gleiche Seiten mit den eigentlichen Kategorien. Zweitens hat ein Template-Update vor drei Monaten den Einleitungstext der Kategorien in einen Tab verschoben, der erst per JavaScript geladen wird.
Die Maßnahmen ergeben sich daraus fast von selbst: Canonicals der Filterseiten auf die Hauptkategorie setzen, Filterseiten aus der Sitemap nehmen und den Einleitungstext wieder direkt ins HTML schreiben. Die übrigen Befunde landen in der Klasse „beobachten“ und werden später abgearbeitet. Nach der Umsetzung bestätigt ein zweiter Crawl die Korrekturen. Die Impressionen werden über die folgenden Wochen beobachtet.
Maßnahmen formulieren und nachmessen
„Content verbessern“ ist keine umsetzbare Aufgabe. Eine gute Maßnahme nennt die betroffenen URLs oder die Seitengruppe, den Befund, die vermutete Ursache, die gewünschte Änderung, die zuständige Person und ein Abnahmekriterium. Das Abnahmekriterium ist der wichtigste Teil, denn es legt fest, woran du später erkennst, dass das Problem gelöst ist.
Nach der Umsetzung folgt ein zweiter Crawl mit demselben Umfang. Erst der Vergleich zeigt, ob Befunde wirklich verschwunden sind oder ob neue entstanden sind. Rankings und Search-Console-Daten brauchen länger, bis sie reagieren. Plane die Kontrolle nach einigen Wochen fest ein.
Checkliste zum Abhaken
- Untersuchungsfrage und Umfang festgelegt
- Vollständiger Crawl mit gespeichertem Stand
- Statuscodes, Weiterleitungen und Indexierbarkeit geprüft
- Canonicals, Sitemap und interne Verlinkung geprüft
- Metadaten und strukturierte Daten geprüft
- Core Web Vitals aus echten Nutzerdaten angesehen
- Stichprobe pro Seitentyp inhaltlich bewertet
- Überschneidungen und veraltete Inhalte markiert
- Verweisende Domains, verlorene Links und Ankertexte geprüft
- Search-Console-Daten pro Seite ausgewertet
- Befunde in Arbeitsklassen einsortiert
- Maßnahmen mit Abnahmekriterium formuliert
- Nachmessung per zweitem Crawl eingeplant
Wie Crawl Foundry beim SEO-Audit hilft
Den technischen Teil übernimmt der Site Audit von Crawl Foundry. Er crawlt die Website und fasst die Ergebnisse in einem Health Score zusammen, der nach Kategorien gewichtet ist: Crawlbarkeit und Verfügbarkeit mit 25 Prozent, Indexierbarkeit und Canonicals mit 20, Inhalt und Metadaten sowie Links und Architektur mit je 15, strukturierte und internationale Daten sowie Performance mit je 10 und Sicherheit mit 5 Prozent. Jeder Befund führt auf konkrete URLs zurück, und der Crawl-Vergleich zeigt nach der Umsetzung, was neu, behoben oder verschlechtert ist. Wie der Score berechnet wird und wann zwei Crawls vergleichbar sind, erklärt die Dokumentation zu Übersicht und Statistiken.
Vom Befund zur belegten Maßnahme
Ein SEO-Audit ist dann wertvoll, wenn er zu wenigen, klaren Entscheidungen führt. Starte mit einer Frage, prüfe Technik, Inhalte, Backlinks und Sichtbarkeit getrennt und lies sie dann zusammen. Priorisiere nach Wirkung und Beleg, formuliere Maßnahmen mit Abnahmekriterium und miss nach.
Beginne mit der Seite, die für dein Geschäft am wichtigsten ist, und notiere zu ihr den ersten technischen Befund.